Archiv für die 'Gedenken' Kategorie

Nachruf auf Otto Rausch

Donnerstag 26. November 2015 von Elmar Zimmer

Otto Rausch Nachruf

Am 11. Novem­ber ver­starb wenige Tage nach sei­nem 79. Geburts­tag  nach schwe­rer Krank­heit unser lang­jäh­ri­ges Ver­eins– und Ehren­mit­glied Otto Rausch.

Otto erlernte von sei­nem Vater Vik­tor – einem der dama­li­gen Ket­ti­ger Spit­zen­spie­ler -  im Alter von 12 Jah­ren die Grund­re­geln des Schachs. Als 1960 der Ver­ein Turm 60 Wei­ßen­thurm gegrün­det wurde, gehörte er bis zu des­sen Auf­lö­sung 1966 zu sei­nen Mit­glie­dern. Nach einer etwa zehn­jäh­ri­gen Pause trat er Mitte der Sieb­zi­ger Jahre wie­der dem SC 1924 Ket­tig bei. Er erwies sich immer als zuver­läs­si­ger Mannschaftsspieler.

Des wei­te­ren  zeich­nete sich Otto Rausch als rüh­ri­ges Vor­stands­mit­glied aus; 1986  über­nahm er von Gün­ther Mül­ler kurz­zei­tig das Amt des Ers­ten Vor­sit­zen­den; lange Zeit war er Zwei­ter Vor­sit­zen­der. 2006 wurde ihm die Ehren­mit­glied­schaft verliehen.

Otto hatte  auch im Schach­be­zirk Rhein-Ahr-Mosel etli­che Ämter inne. Von 1999 bis 2003 war er des­sen Ers­ter Vorsitzender.

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Nachruf auf Norbert Degenhardt

Donnerstag 6. August 2015 von Elmar Zimmer

Norbert Degenhardt - Kopie

Am 29. Juli ver­starb im Alter von 80 Jah­ren unser ehe­ma­li­ges Mit­glied Nor­bert Degen­hardt. In den letz­ten Jah­ren erlitt er mehr­fach Gehirn­schläge, die seine Gesund­heit stark beein­träch­ti­gen sollten.

Fast 15 Jahre lang war er einer der tra­gen­den Säu­len unse­res Vereins.

Über die Schach­ver­eine Anders­sen Hagen, Turm Bonn, Berlin-Zehlendorf, Müns­ter, BUE Ham­burg und Ger­ling Köln fand er 1971 nach Ket­tig, wo er maß­geb­lich  an den Erfol­gen in der Ober­liga und den Bun­des­li­gen als Spie­ler, aber auch als Mann­schafts­füh­rer betei­ligt war. Mehr­fach wurde er Club– und Clubblitzmeister.

Fünf­mal  nahm er an den Kan­di­da­ten­tur­nie­ren ( eine Vor­stufe) zur Deut­schen Meis­ter­schaft teil. Vier­mal, näm­lich 1965, 1967, 1969 und 1972, war er Teil­neh­mer der Deut­schen Ein­zel­meis­ter­schaf­ten ; in Kiel 1967 spielte er gegen den spä­te­ren Sie­ger und bekann­tes­ten deut­schen Nach­kriegs­schach­spie­ler Dr. Robert Hüb­ner Remis. Zwölf­mal wurde ihm auch die Ehre zuteil, Deutsch­land in Län­der­kämp­fen zu vertreten.

Bereits 1973, zwei Jahre nach Ver­ein­sein­tritt, wurde er Geschäfts­füh­rer des Schach­clubs, die­ses Amt sollte er bis 1985 innehaben.

Nach sei­nem Wech­sel zum SC TS Polch nahm er für einige Jahre deren Spit­zen­brett ein und  spielte unun­ter­bro­chen von 1996–2004 für den Schach­bund Rheinland-Pfalz die Deut­schen Mann­schafts­meis­ter­schaf­ten der Senio­ren mit..

Nor­bert  war zudem  Vor­sit­zen­der des Schieds­ge­richts im Schach­bund Rheinland-Pfalz und auf DSB-Ebene. 1997 erhielt er den Ehren­tel­ler des Deut­schen Schach­bun­des; 1998 wurde ihm das Ehren­zei­chen des Schach­bun­des Rheinland-Pfalz verliehen.

Die Urnen­be­stat­tung wird Ende August in Dort­mund stattfinden.

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Nachruf: Harald Mehlem

Sonntag 6. Juli 2014 von Michael Lohn

Das letzte Schach konnte auch er nicht abweh­ren – Harald erlag am 19. Mai im Alter von 74 Jah­ren sei­nem schwe­ren Krebs­lei­den; die Hoff­nung, wenigs­tens ein­mal noch frei­tags den Ver­eins­abend zu besu­chen, erfüllte sich nicht.

Harald Mehlem

Wie kein ande­rer war Harald in den letz­ten Jah­ren das Gesicht des Ver­eins: Undenk­bar, dass er nicht als ers­ter im Club war und auch nicht als letz­ter ging, wenn auch dann manch­mal die Schach­fi­gu­ren gegen die Spiel­kar­ten getauscht wor­den waren.

Harald hielt immer, abge­se­hen von einem berufs­be­ding­ten Auf­ent­halt im Schwa­ben­ländle in jun­gen Jah­ren, dem Ket­ti­ger Schach­club die Treue. Er gehörte zwar nie zu den Top­spie­lern des Ver­eins und half höchs­tens schon ein­mal als Ersatz in der ers­ten Mann­schaft aus, doch war er die Zuver­läs­sig­keit in Per­son – es gab und gibt kei­nen Spie­ler, der nach 1949 häu­fi­ger für Ket­tig an Mann­schafts­kämp­fen teil­nahm, meist in der Rhein­land­liga oder Bezirks­klasse. Es sagt viel über Haralds Spiel­stärke aus, dass er zu der sel­te­nen Spe­zies von Spie­lern gehörte, die man gerne gegen stär­kere Geg­ner auf­bot, da durch­aus damit gerech­net wer­den konnte, dass er als Sie­ger vom Brett auf­ste­hen würde. Nicht sel­ten ver­darb er eine aus­sichts­rei­che Stel­lung, indem er ver­gaß, die Uhr zu drü­cken; dies jedoch oft­mals zur Freude sei­ner Ver­eins­kol­le­gen in Blitzpartien.

Sein sozia­les Arran­ge­ment zeigte sich unter ande­rem darin, dass er über Jahre hin­weg sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit den Bewoh­nern der För­der– und Wohn­stätte Ket­tig zum Schach verabredete.

Oft hatte er mit Ver­eins­freun­den Rei­sen nicht nur zu Schach­tur­nie­ren unter­nom­men, die ihn z.B. nach Anda­lu­sien, Schott­land, Irland und in die Bre­ta­gne geführt haben; am liebs­ten aber fuhr er nach Fran­ken, um am Pul­ver­blitz­tur­nier in Wai­schen­feld teilzunehmen.

Der Schach­club wird Harald nicht ver­ges­sen und noch geraume Zeit wird der Blick bei Betre­ten des Ver­eins­lo­kals Hotel „Kai­ser“ nach links zum Stamm­tisch wan­dern, ob nicht Harald dort sitzt und auf einen Mit­spie­ler wartet.

geschrie­ben von Elmar Zim­mer
1. Vor­sit­zen­der des Schach­club 1924 Ket­tig e.V.

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Nachruf: Günther Müller

Sonntag 12. Juni 2011 von Elmar Zimmer

Der Schach­club 1924 Ket­tig trau­ert um Gün­ther Mül­ler, der über­ra­schend im Alter von 80 Jah­ren Anfang Juni ver­starb. Mehr als fünf­zig Jahre hatte er sich in her­aus­ra­gen­der Weise um die Belange des Ket­ti­ger Schachs ver­dient gemacht.

Gün­ther Mül­ler gehörte zu den 19 Schach­freun­den, die sich am 12. März 1949 im Lokal „Hubert Nal­lin” ein­ge­fun­den hat­ten, um den 1924 gegrün­de­ten Schach­ver­ein wie­der ins Leben zu rufen. Nur wenige kön­nen sich noch ein Bild davon machen, was es bedeu­tet hatte, in schwie­ri­gen Nach­kriegs­jah­ren zur Nor­ma­li­tät des All­tags­le­bens zurück­zu­fin­den.
Das Amt des Kas­sie­rers zu über­neh­men, wel­ches er bis 1956 inne­hatte, war mit Sicher­heit in Zei­ten von knap­pem Geld keine leichte Aufgabe.

Von 1956 an 2.Vorsitzender, wurde er 1965 Nach­fol­ger des schei­den­den 1.Vorsitzenden Alois Kohl; seit­dem stand er bis 1999 – das Jahr des 75jährigen Ver­eins­ju­bi­lä­ums — unun­ter­bro­chen an der Spitze des Vereins.

34 Jahre Ver­ant­wor­tung für einen Ver­ein zu über­neh­men kann nicht deut­lich genug her­aus­ge­stellt wer­den, über­tra­gen auf den poli­ti­schen Bereich — sein Enga­ge­ment in der Lokal­po­li­tik dürfte auch nicht unbe­kannt sein — war dies ein bei­nahe uto­pisch lan­ger Zeitraum.

Nicht uner­wähnt blei­ben sollte die beacht­li­che Spiel­stärke von Gün­ther Mül­ler; in den Jah­ren 1957 und 1959 setzte er sich gegen stärkste Kon­kur­renz durch und errang die Ket­ti­ger Ver­eins­meis­ter­schaft. 1959 wurde er auf­grund des errun­ge­nen Kreis­meis­ter­ti­tels in die Lan­des­aus­wahl gegen Bel­gien beru­fen. Zusam­men mit Michael Eif­ler, Hein­rich Kri­scher und Vik­tor Rausch gehörte er zu den Spie­lern, die in den Fünf­zi­ger Jah­ren die Stütze der Ket­ti­ger Ober­li­ga­mann­schaft bil­de­ten — wohl­ge­merkt, die Ober­liga war auf­grund der dama­li­gen Ver­bands­struk­tu­ren die höchste deut­sche Spiel­klasse! Es war auch sicher für ihn ehren­voll, im Ket­ti­ger Kader zu ste­hen, der zwei­mal gegen die rus­si­schen Bot­schafts­an­ge­hö­ri­gen 1959 einen freund­schaft­li­chen Wett­kampf aus­ge­tra­gen hatte – und dies zu Beginn des Kal­ten Krie­ges, als die Vor­be­rei­tun­gen dar­auf bei­nahe einem Poli­ti­kum gli­chen und der Ver­ein Fra­gen der Schlapp­hüte zu beant­wor­ten hatte!

Alle seine Ämter und Tätig­kei­ten auf­zu­füh­ren würde viel zu viel Platz in Anspruch neh­men. Maß­geb­lich war er an der Grün­dung des Schach­be­zirks Rhein-Ahr-Mosel und der Orga­ni­sa­tion des Schach­ver­ban­des Rhein­land betei­ligt. 1981 wech­selte er vom Vor­sitz des Schach­ver­ban­des Rhein­land zum Schach­bund Rheinland-Pfalz, des­sen Prä­si­dent er im glei­chen Jahr wurde und dem er bis 2004 unun­ter­bro­chen vor­stand, immer bemüht, als Rheinland-Pfälzer zu wir­ken und die his­to­ri­schen Struk­tu­ren der Pfalz und des Rhein­lan­des zusam­men­zu­schwei­ßen. Sei­ner Initia­tive war es maß­geb­lich zu ver­dan­ken, dass die Län­der in einer Art Bun­des­rat ihren Ein­fluss beim Deut­schen Schach­bund gel­ten machen konn­ten; er selbst war Prä­si­dent die­ser Orga­ni­sa­tion. Selbst­ver­ständ­lich wurde er nach Auf­gabe der offi­zi­el­len Ämter Ehren­vor­sit­zen­der sei­nes Ver­eins und des Schach­ver­ban­des Rhein­land, Ehren­prä­si­dent des Schach­bun­des Rheinland-Pfalz und 2004 Ehren­mit­glied des Deut­schen Schachbundes.

Seine Frei­zeit ganz dem Schach zu wid­men wäre ohne eine ver­ständ­nis­volle Gat­tin undenk­bar gewe­sen. Mari­anne Mül­ler, die Anfang 2010 ver­starb, bedau­erte ein­mal, kein Schach spie­len zu kön­nen, doch war sie ihm immer treue Weg­be­rei­te­rin zu vie­len Kon­gres­sen und schach­ge­sell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tun­gen.
Ihre Kin­der, drei Söhne und eine Toch­ter, waren alle­samt zumin­dest zeit­weise in Ket­tig aktiv gewe­sen und dies mit respek­ta­bler Spielstärke.

Es kommt nicht von unge­fähr, dass ein har­mo­ni­sches Fami­li­en­le­ben sich auch auf einen Ver­ein über­tra­gen lässt. Gün­ther Mül­ler war für seine aus­glei­chende Hal­tung bekannt, er war jemand, der stets nach akzep­ta­blen Lösun­gen für alle Betei­lig­ten suchte und sie auch meist fand. Wer außer ihm konnte denn die wäh­rend der berühmt-berüchtigten Ket­ti­ger Spie­ler­sit­zun­gen ent­stan­de­nen Wogen glät­ten, die zu Beginn der Dis­kus­sio­nen immer das Schlimmste erwar­ten und mas­sen­hafte Ver­einsaus­tritte befürch­ten lie­ßen?
Ein wei­te­res Bei­spiel darf genannt wer­den: Wäh­rend eines Mann­schafts­spie­les in Mayen machte einer der Ket­ti­ger Spie­ler kur­zen Pro­zess, ließ den geg­ne­ri­schen König in sei­ner Jacke ver­schwin­den und dekla­rierte die Par­tie für sich als gewon­nen. Wäh­rend die Beweg­gründe, die zu die­sem Ver­hal­ten führ­ten, den Zuschau­ern nicht mehr genau im Gedächt­nis geblie­ben waren, konnte man sich aber gut daran erin­nern, dass der ent­stan­dene Tumult nur von Gün­ther Mül­ler been­det wer­den konnte. Eigent­lich wäre er der gebo­rene Pfar­rer gewe­sen, der bloß sei­nen Beruf ver­fehlt hatte.

Es kann ohne zu über­trei­ben gesagt wer­den, dass nicht zuletzt das Schach und der Schach­club das Dorf Ket­tig weit über seine Gren­zen hin­aus bekannt gemacht hat­ten, und die­ses Ver­dienst gebührte zu einem Groß­teil Gün­ther Mül­ler. Die Glanz­zei­ten des Ver­eins – 1977 Aus­rich­ter der Bun­des­li­ga­fi­nal­runde mit dem ehren­vol­len 4. Platz; 1981/82 Vier­ter der ein­tei­li­gen Bun­des­liga — hatte er ent­schei­dend geprägt. Die Frage, wo „die­ses Schach­dorf Ket­tig denn nun liege”, wurde bereits in den Fünf­zi­ger Jah­ren beant­wor­tet. Es darf dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass so bekannte Schach­grö­ßen wie der Exwelt­meis­ter Boris Spas­ski in Ket­tig zu Gast waren, Vlasti­mil Hort zu einer Blitz­par­tie am Club­abend vor­bei­schaute oder Hans-Joachim Hecht eine Simul­tan­vor­stel­lung gab.

Als boden­stän­di­ger Mensch war er nicht nur dem Schach­club son­dern auch sei­ner Hei­mat­ge­meinde Ket­tig aufs engste ver­bun­den. So konn­ten auf seine Initia­tive hin zu Bun­des­li­ga­zei­ten weit über 100 Mit­glie­der für den För­der­kreis des Schach­club gewor­ben wer­den.
Der sport­li­che Erfolg war ihm aber nicht das Maß aller Dinge, vehe­ment sprach er sich gegen eine Ent­wick­lung hin zum Pro­fi­ver­ein aus. Er selbst erzählte mir ein­mal, dass er das tele­fo­ni­sche Ange­bot des bekann­ten Stutt­gar­ter Schach­re­dak­teurs Theo­dor Schus­ter, ob der Ver­ein nicht „zwei Ost­eu­ro­päer” ver­pflich­ten wolle, ent­schie­den ablehnte; dies zu einem Zeit­punkt weit vor dem Fall des „Eiser­nen Vor­hangs”, als aus­län­di­sche Spit­zen­spie­ler in der Bun­des­liga eine Sel­ten­heit waren!
Im hohen Alter hatte er das Spit­zen­brett der Vier­ten Ket­ti­ger Mann­schaft – die in der abge­lau­fe­nen Sai­son die Meis­ter­schaft der B-Klasse errang — inne und war stolz dar­auf gewe­sen, vor weni­gen Wochen der Drit­ten Mann­schaft in der Bezirks­klasse aus­hel­fen zu kön­nen. Es sollte sein letz­ter Mann­schafts­kampf gewe­sen sein.

geschrie­ben von Elmar Zim­mer
1. Vor­sit­zen­der des Schach­club 1924 Ket­tig e.V.

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