Archiv für Juni, 2011

Spielerversammlung am 1. Juli

Sonntag 19. Juni 2011 von Michael Lohn

Am Frei­tag, 1. Juli ab 20 Uhr fin­det im Ver­eins­lo­kal Hotel Kai­ser die Spie­ler­ver­samm­lung statt. Es wer­den die Mann­schafts­ein­tei­lun­gen für die kom­mende Spiel­sai­son 2011/2012 festgelegt.

Eine rege Betei­li­gung der Club­mit­glie­der ist erwünscht. Die­je­ni­gen Schach­freunde, die nicht kom­men kön­nen, sol­len bitte vorab Ihre Mei­nung beim 1. Vor­sit­zen­den Elmar Zim­mer oder beim Tur­nier­lei­ter Tho­mas Hönig darlegen.

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Nachruf: Günther Müller

Sonntag 12. Juni 2011 von Elmar Zimmer

Der Schach­club 1924 Ket­tig trau­ert um Gün­ther Mül­ler, der über­ra­schend im Alter von 80 Jah­ren Anfang Juni ver­starb. Mehr als fünf­zig Jahre hatte er sich in her­aus­ra­gen­der Weise um die Belange des Ket­ti­ger Schachs ver­dient gemacht.

Gün­ther Mül­ler gehörte zu den 19 Schach­freun­den, die sich am 12. März 1949 im Lokal „Hubert Nal­lin” ein­ge­fun­den hat­ten, um den 1924 gegrün­de­ten Schach­ver­ein wie­der ins Leben zu rufen. Nur wenige kön­nen sich noch ein Bild davon machen, was es bedeu­tet hatte, in schwie­ri­gen Nach­kriegs­jah­ren zur Nor­ma­li­tät des All­tags­le­bens zurück­zu­fin­den.
Das Amt des Kas­sie­rers zu über­neh­men, wel­ches er bis 1956 inne­hatte, war mit Sicher­heit in Zei­ten von knap­pem Geld keine leichte Aufgabe.

Von 1956 an 2.Vorsitzender, wurde er 1965 Nach­fol­ger des schei­den­den 1.Vorsitzenden Alois Kohl; seit­dem stand er bis 1999 – das Jahr des 75jährigen Ver­eins­ju­bi­lä­ums — unun­ter­bro­chen an der Spitze des Vereins.

34 Jahre Ver­ant­wor­tung für einen Ver­ein zu über­neh­men kann nicht deut­lich genug her­aus­ge­stellt wer­den, über­tra­gen auf den poli­ti­schen Bereich — sein Enga­ge­ment in der Lokal­po­li­tik dürfte auch nicht unbe­kannt sein — war dies ein bei­nahe uto­pisch lan­ger Zeitraum.

Nicht uner­wähnt blei­ben sollte die beacht­li­che Spiel­stärke von Gün­ther Mül­ler; in den Jah­ren 1957 und 1959 setzte er sich gegen stärkste Kon­kur­renz durch und errang die Ket­ti­ger Ver­eins­meis­ter­schaft. 1959 wurde er auf­grund des errun­ge­nen Kreis­meis­ter­ti­tels in die Lan­des­aus­wahl gegen Bel­gien beru­fen. Zusam­men mit Michael Eif­ler, Hein­rich Kri­scher und Vik­tor Rausch gehörte er zu den Spie­lern, die in den Fünf­zi­ger Jah­ren die Stütze der Ket­ti­ger Ober­li­ga­mann­schaft bil­de­ten — wohl­ge­merkt, die Ober­liga war auf­grund der dama­li­gen Ver­bands­struk­tu­ren die höchste deut­sche Spiel­klasse! Es war auch sicher für ihn ehren­voll, im Ket­ti­ger Kader zu ste­hen, der zwei­mal gegen die rus­si­schen Bot­schafts­an­ge­hö­ri­gen 1959 einen freund­schaft­li­chen Wett­kampf aus­ge­tra­gen hatte – und dies zu Beginn des Kal­ten Krie­ges, als die Vor­be­rei­tun­gen dar­auf bei­nahe einem Poli­ti­kum gli­chen und der Ver­ein Fra­gen der Schlapp­hüte zu beant­wor­ten hatte!

Alle seine Ämter und Tätig­kei­ten auf­zu­füh­ren würde viel zu viel Platz in Anspruch neh­men. Maß­geb­lich war er an der Grün­dung des Schach­be­zirks Rhein-Ahr-Mosel und der Orga­ni­sa­tion des Schach­ver­ban­des Rhein­land betei­ligt. 1981 wech­selte er vom Vor­sitz des Schach­ver­ban­des Rhein­land zum Schach­bund Rheinland-Pfalz, des­sen Prä­si­dent er im glei­chen Jahr wurde und dem er bis 2004 unun­ter­bro­chen vor­stand, immer bemüht, als Rheinland-Pfälzer zu wir­ken und die his­to­ri­schen Struk­tu­ren der Pfalz und des Rhein­lan­des zusam­men­zu­schwei­ßen. Sei­ner Initia­tive war es maß­geb­lich zu ver­dan­ken, dass die Län­der in einer Art Bun­des­rat ihren Ein­fluss beim Deut­schen Schach­bund gel­ten machen konn­ten; er selbst war Prä­si­dent die­ser Orga­ni­sa­tion. Selbst­ver­ständ­lich wurde er nach Auf­gabe der offi­zi­el­len Ämter Ehren­vor­sit­zen­der sei­nes Ver­eins und des Schach­ver­ban­des Rhein­land, Ehren­prä­si­dent des Schach­bun­des Rheinland-Pfalz und 2004 Ehren­mit­glied des Deut­schen Schachbundes.

Seine Frei­zeit ganz dem Schach zu wid­men wäre ohne eine ver­ständ­nis­volle Gat­tin undenk­bar gewe­sen. Mari­anne Mül­ler, die Anfang 2010 ver­starb, bedau­erte ein­mal, kein Schach spie­len zu kön­nen, doch war sie ihm immer treue Weg­be­rei­te­rin zu vie­len Kon­gres­sen und schach­ge­sell­schaft­li­chen Ver­an­stal­tun­gen.
Ihre Kin­der, drei Söhne und eine Toch­ter, waren alle­samt zumin­dest zeit­weise in Ket­tig aktiv gewe­sen und dies mit respek­ta­bler Spielstärke.

Es kommt nicht von unge­fähr, dass ein har­mo­ni­sches Fami­li­en­le­ben sich auch auf einen Ver­ein über­tra­gen lässt. Gün­ther Mül­ler war für seine aus­glei­chende Hal­tung bekannt, er war jemand, der stets nach akzep­ta­blen Lösun­gen für alle Betei­lig­ten suchte und sie auch meist fand. Wer außer ihm konnte denn die wäh­rend der berühmt-berüchtigten Ket­ti­ger Spie­ler­sit­zun­gen ent­stan­de­nen Wogen glät­ten, die zu Beginn der Dis­kus­sio­nen immer das Schlimmste erwar­ten und mas­sen­hafte Ver­einsaus­tritte befürch­ten lie­ßen?
Ein wei­te­res Bei­spiel darf genannt wer­den: Wäh­rend eines Mann­schafts­spie­les in Mayen machte einer der Ket­ti­ger Spie­ler kur­zen Pro­zess, ließ den geg­ne­ri­schen König in sei­ner Jacke ver­schwin­den und dekla­rierte die Par­tie für sich als gewon­nen. Wäh­rend die Beweg­gründe, die zu die­sem Ver­hal­ten führ­ten, den Zuschau­ern nicht mehr genau im Gedächt­nis geblie­ben waren, konnte man sich aber gut daran erin­nern, dass der ent­stan­dene Tumult nur von Gün­ther Mül­ler been­det wer­den konnte. Eigent­lich wäre er der gebo­rene Pfar­rer gewe­sen, der bloß sei­nen Beruf ver­fehlt hatte.

Es kann ohne zu über­trei­ben gesagt wer­den, dass nicht zuletzt das Schach und der Schach­club das Dorf Ket­tig weit über seine Gren­zen hin­aus bekannt gemacht hat­ten, und die­ses Ver­dienst gebührte zu einem Groß­teil Gün­ther Mül­ler. Die Glanz­zei­ten des Ver­eins – 1977 Aus­rich­ter der Bun­des­li­ga­fi­nal­runde mit dem ehren­vol­len 4. Platz; 1981/82 Vier­ter der ein­tei­li­gen Bun­des­liga — hatte er ent­schei­dend geprägt. Die Frage, wo „die­ses Schach­dorf Ket­tig denn nun liege”, wurde bereits in den Fünf­zi­ger Jah­ren beant­wor­tet. Es darf dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, dass so bekannte Schach­grö­ßen wie der Exwelt­meis­ter Boris Spas­ski in Ket­tig zu Gast waren, Vlasti­mil Hort zu einer Blitz­par­tie am Club­abend vor­bei­schaute oder Hans-Joachim Hecht eine Simul­tan­vor­stel­lung gab.

Als boden­stän­di­ger Mensch war er nicht nur dem Schach­club son­dern auch sei­ner Hei­mat­ge­meinde Ket­tig aufs engste ver­bun­den. So konn­ten auf seine Initia­tive hin zu Bun­des­li­ga­zei­ten weit über 100 Mit­glie­der für den För­der­kreis des Schach­club gewor­ben wer­den.
Der sport­li­che Erfolg war ihm aber nicht das Maß aller Dinge, vehe­ment sprach er sich gegen eine Ent­wick­lung hin zum Pro­fi­ver­ein aus. Er selbst erzählte mir ein­mal, dass er das tele­fo­ni­sche Ange­bot des bekann­ten Stutt­gar­ter Schach­re­dak­teurs Theo­dor Schus­ter, ob der Ver­ein nicht „zwei Ost­eu­ro­päer” ver­pflich­ten wolle, ent­schie­den ablehnte; dies zu einem Zeit­punkt weit vor dem Fall des „Eiser­nen Vor­hangs”, als aus­län­di­sche Spit­zen­spie­ler in der Bun­des­liga eine Sel­ten­heit waren!
Im hohen Alter hatte er das Spit­zen­brett der Vier­ten Ket­ti­ger Mann­schaft – die in der abge­lau­fe­nen Sai­son die Meis­ter­schaft der B-Klasse errang — inne und war stolz dar­auf gewe­sen, vor weni­gen Wochen der Drit­ten Mann­schaft in der Bezirks­klasse aus­hel­fen zu kön­nen. Es sollte sein letz­ter Mann­schafts­kampf gewe­sen sein.

geschrie­ben von Elmar Zim­mer
1. Vor­sit­zen­der des Schach­club 1924 Ket­tig e.V.

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