Archiv für Juli, 2014

Nachruf: Harald Mehlem

Sonntag 6. Juli 2014 von Michael Lohn

Das letzte Schach konnte auch er nicht abweh­ren – Harald erlag am 19. Mai im Alter von 74 Jah­ren sei­nem schwe­ren Krebs­lei­den; die Hoff­nung, wenigs­tens ein­mal noch frei­tags den Ver­eins­abend zu besu­chen, erfüllte sich nicht.

Harald Mehlem

Wie kein ande­rer war Harald in den letz­ten Jah­ren das Gesicht des Ver­eins: Undenk­bar, dass er nicht als ers­ter im Club war und auch nicht als letz­ter ging, wenn auch dann manch­mal die Schach­fi­gu­ren gegen die Spiel­kar­ten getauscht wor­den waren.

Harald hielt immer, abge­se­hen von einem berufs­be­ding­ten Auf­ent­halt im Schwa­ben­ländle in jun­gen Jah­ren, dem Ket­ti­ger Schach­club die Treue. Er gehörte zwar nie zu den Top­spie­lern des Ver­eins und half höchs­tens schon ein­mal als Ersatz in der ers­ten Mann­schaft aus, doch war er die Zuver­läs­sig­keit in Per­son – es gab und gibt kei­nen Spie­ler, der nach 1949 häu­fi­ger für Ket­tig an Mann­schafts­kämp­fen teil­nahm, meist in der Rhein­land­liga oder Bezirks­klasse. Es sagt viel über Haralds Spiel­stärke aus, dass er zu der sel­te­nen Spe­zies von Spie­lern gehörte, die man gerne gegen stär­kere Geg­ner auf­bot, da durch­aus damit gerech­net wer­den konnte, dass er als Sie­ger vom Brett auf­ste­hen würde. Nicht sel­ten ver­darb er eine aus­sichts­rei­che Stel­lung, indem er ver­gaß, die Uhr zu drü­cken; dies jedoch oft­mals zur Freude sei­ner Ver­eins­kol­le­gen in Blitzpartien.

Sein sozia­les Arran­ge­ment zeigte sich unter ande­rem darin, dass er über Jahre hin­weg sich in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit den Bewoh­nern der För­der– und Wohn­stätte Ket­tig zum Schach verabredete.

Oft hatte er mit Ver­eins­freun­den Rei­sen nicht nur zu Schach­tur­nie­ren unter­nom­men, die ihn z.B. nach Anda­lu­sien, Schott­land, Irland und in die Bre­ta­gne geführt haben; am liebs­ten aber fuhr er nach Fran­ken, um am Pul­ver­blitz­tur­nier in Wai­schen­feld teilzunehmen.

Der Schach­club wird Harald nicht ver­ges­sen und noch geraume Zeit wird der Blick bei Betre­ten des Ver­eins­lo­kals Hotel „Kai­ser“ nach links zum Stamm­tisch wan­dern, ob nicht Harald dort sitzt und auf einen Mit­spie­ler wartet.

geschrie­ben von Elmar Zim­mer
1. Vor­sit­zen­der des Schach­club 1924 Ket­tig e.V.

Kategorie: Gedenken | Kommentare deaktiviert

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