1945–1974 (Wiederbelebung des Vereins)

geschrie­ben von Elmar Zimmer

Der erste Auf­tritt nach 1945 war bereits mit einem Erfolg ver­bun­den: Am 27. Okto­ber 1948 setzte sich in Neu­wied bei einer Schnell­schach­ver­an­stal­tung die Ket­ti­ger Ver­tre­tung mit Anton und Johann Hil­le­s­heim, Wil­helm Kohl und Hein­rich Kri­scher gegen stärkste Kon­kur­renz durch und belegte den ers­ten Platz.

19 Schach­freunde tra­fen sich am 12. März 1949 im ehe­ma­li­gen Ver­eins­lo­kal „Zum Roten Och­sen”, um den Ver­ein for­mell wie­der ins Leben zu rufen: Hans Flöck wurde neuer 1. Vor­sit­zen­der, Peter Vogt zum 2. Vor­sit­zen­den gewählt, Schrift­füh­rer wurde Alois Kohl, Kas­sie­rer Gün­ther Mül­ler. 1951 löste Johann Hil­le­s­heim Hans Flöck als 1. Vor­sit­zen­den ab; 1953 über­nahm Josef Schä­fer die­ses Amt.

Sehr rasch fand man Anschluss an die über­re­gio­na­len Spit­zen­ver­eine, dane­ben waren Ket­ti­ger Aktive auch an Ein­zel­tur­nie­ren erfolg­reich ver­tre­ten. Zwei­mal gelang in den fünf­zi­ger Jah­ren der Auf­stieg in die Ober­liga Mit­tel­rhein, die damals höchste Spiel­klasse, wo man u.a. mit dem mehr­ma­li­gen Deut­schen Meis­ter SC 1861 Köln die Kräfte maß, beide Mal jedoch konnte die Mann­schaft die Klasse nicht hal­ten und musste absteigen.

1957 wurde Alois Kohl zum ers­ten Vor­sit­zen­den gewählt. Im glei­chen Jahr kam es zur Tei­lung der Ober­liga Mit­tel­rhein, die erste Mann­schaft wurde der Süd­gruppe zuge­ord­net, der sie bis 1974 unun­ter­bro­chen ange­hörte. In die­sem Zeit­raum wurde sie acht­mal Ober­li­ga­meis­ter und gewann mehr­mals den Rhein-Mosel-Pokal.

Gün­ther Mül­ler im Län­der­kampf gegen Bel­gien 1959

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Der Schach­club Ket­tig fei­erte 1959 sein 35-jähriges Ver­eins­ju­bi­läum. Seine Mit­glie­der und Freunde wollte man neben ande­ren schach­li­chen Wett­be­wer­ben mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Ver­an­stal­tung überraschen.

So wurde die Idee gebo­ren, gegen die Ver­tre­ter der stärks­ten Schach­na­tion, die UdssR, einen Wett­kampf aus­zu­tra­gen. Der Vor­stand unter dem dama­li­gen 1. Vor­sit­zen­den Alois Wil­helm Kohl und dem Schach­freund Willy Hom­mer nahm Kon­takt mit den Ver­tre­tern der rus­si­schen Bot­schaft in Rolands­werth auf.

Diese zeig­ten sich von dem Ansin­nen zunächst über­rascht, sag­ten dann aber nach zwei wei­te­ren klä­ren­den Vor­ge­sprä­chen ihre Bereit­schaft zur Teil­nahme zu.

Ende der fünf­zi­ger Jahre mit der Sowjet­union einen sport­li­chen Ver­gleich aus­zu­tra­gen war nicht gerade all­täg­lich; der „Sputnik-Schock“ von 1957 war noch frisch im Bewusst­sein der west­li­chen Welt ver­an­kert, die Phase des „Kal­ten Krie­ges“ hatte gerade begon­nen. Daher durfte es nicht ver­wun­dern dass die Schach­ver­glei­che auch poli­ti­sches Auf­se­hen erregten.

Mehr­mals wur­den die Ver­ant­wort­li­chen des Ver­eins von bun­des­deut­schen amt­li­chen Stel­len befragt, bevor wir die Schach­spie­ler der rus­si­schen Bot­schaft als Gäste in Ket­tig begrü­ßen konnten.

Der Wett­kampf am 18. Juli 1959 in Ket­tig endete mit einem 6:2-Sieg der Ket­ti­ger Ver­tre­tung, den am 27. Sep­tem­ber in der sowje­ti­schen Bot­schaft in Rolands­werth aus­ge­tra­ge­nen Rück­kampf konn­ten die rus­si­schen Schach­spie­ler mit 4,5:3,5 knapp für sich entscheiden.

Betei­ligte sagen noch heute, dass die Ursa­che der Nie­der­lage auf den außer­ge­wöhn­lich star­ken Ver­zehr von Kaviar, Wodka und Krim­sekt zurück­zu­füh­ren war.

Ver­gleichs­kampf mit der rus­si­schen Botschaft

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Beide Wett­kämpfe ver­lie­fen in außer­or­dent­lich freund­schaft­li­che und har­mo­ni­scher Atmo­sphäre. Allen Betei­lig­ten dürf­ten diese Wett­kämpfe in guter Erin­ne­rung geblie­ben sein.

Die Schach­sport­ler hat­ten wie­derum ein­mal den Beweis erbracht, dass Sport über alle poli­ti­schen Gren­zen und Gegen­sätze hin­weg in der Lage ist, freund­schaft­li­che Ver­bin­dun­gen zu schaffen.

Mann­schafts­blitz­tur­nier 1974

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Ab 1965 lenkte Gün­ther Mül­ler als ers­ter Vor­sit­zen­der die Geschi­cke des Ver­eins, seit­dem sind sein Name und der des Ver­eins untrenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den. 1974 wurde die zunächst vier­ge­teilte Schach­bun­des­liga ein­ge­führt, zu deren Grün­dungs­mit­glie­dern Ket­tig gehörte.


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