1976–1982 (Die goldenen Jahre)

geschrie­ben von Elmar Zimmer

Als Meis­ter der Bun­des­liga Gruppe Süd­west in der Spiel­zeit 1976/77 qua­li­fi­zierte sich der SC Ket­tig für die Bun­des­li­ga­end­runde, die bekannt­lich in Wei­ßen­thurm aus­ge­tra­gen wurde. Ein — wenn auch durch die Por­zer Brille des Bericht­er­stat­ters Chris­toph Pra­gua gefärb­ter — Stim­mungs­be­richt zum Ent­schei­dungs­spiel in der Gruppe Süd­west fin­det sich im April­heft des „Schach-Echo”, der die dama­lige Wett­kampf­at­mo­sphäre und Begeis­te­rung der zahl­rei­chen Anhän­ger, die die erste Mann­schaft nach Porz beglei­tet hat­ten, wiederspiegelt:

Bun­des­li­ga­mann­schaft 1977

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Die Favo­ri­ten sind gestran­det — die Ent­schei­dung ist gefal­len. Der SC Ket­tig schlug mit einer impo­nie­ren­den kämp­fe­ri­schen Leis­tung und unter Ein­satz sämt­li­cher Glücks­re­ser­ven die SG Porz 4,5:3,5. Beim Abbruch nach 5 Stun­den führ­ten die Man­nen um Dr.Hübner 3,5:2,5, und die Hän­ge­par­tien lie­ßen einen 5:3-Sieg für Porz erwarten.

Bodo Schmidt hatte ein Sprin­ge­rend­spiel, das nach Remis aus­sah, und Dr. Trö­gers Tur­mend­spiel woll­ten die Por­zer gewin­nen. Ver­zwei­felt ver­such­ten die Ket­ti­ger in der Ana­lyse, wenigs­tens ein 4:4 und damit den Stich­kampf zu errei­chen, aber große Hoff­nun­gen hat­ten sie nicht.

Sie­ges­si­cher tra­ten die Por­zer zur Wie­der­auf­nahme an: „Bodo Schmidt hat Remis, und der Dok­tor gewinnt”, hieß es; schließ­lich hat­ten sich alle Spit­zen­kräfte an der Unter­su­chung der Hän­ge­par­tien betei­ligt. Doch Ket­tig war wie­der ein­mal mit For­tuna im Bunde: Schmidt opferte zwei Züge nach der Wie­der­auf­nahme sei­nen Sprin­ger und gedachte, das Remis zu for­cie­ren; dann aber merkte er bestürzt, dass die Par­tie ver­lo­ren war.

Par­tie
Degen­hardt — Dr. Tröger

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Beim Stande von 3,5:3,5 kon­zen­trierte sich alles auf die Par­tie Degen­hardt — Dr. Trö­ger, in der inzwi­schen auch ein Unent­schie­den zu erwar­ten war. Doch der Alt­meis­ter, wohl ver­wirrt durch den uner­war­te­ten Ver­lust am Neben­brett und gestört durch die vie­len lau­ten Zuschauer, beging einen gro­ben Feh­ler und gab bald unter dem fre­ne­ti­schen Jubel des Ket­ti­ger Anhangs auf.

In Wei­ßen­thurm musste der Schach­club sei­nen Gäs­ten den Vor­tritt las­sen. Aber­mals darf aus dem „Schach-Echo” zitiert werden:

Am 3. Juni eröff­nete Bun­des­tur­nier­lei­ter Hel­mut Nött­ger als offi­zi­el­ler Ver­tre­ter des DSB in der Stadt­halle von Wei­ßen­thurm das dies­jäh­rige Abschluss­tur­nier der Deut­schen Mannschaftsmeisterschaft.

Ange­tre­ten waren die Sie­ger der vier Bun­des­li­ga­grup­pen: der Del­men­hors­ter SK, der SC Königs­sprin­ger Frank­furt, der SC Ket­tig und der Deut­sche Meis­ter SC Bam­berg. Da erwar­tet wurde, dass die Bam­ber­ger ohne Groß­meis­ter Schmid spie­len wür­den, gal­ten die Frank­fur­ter als Favo­rit; vor allem durch die impo­nie­rende Art und Weise, in der sie die schwere Gruppe West gewon­nen hatten.

Da die End­runde erst rela­tiv spät nach Wei­ßen­thurm ver­ge­ben wor­den war, hatte der Aus­rich­ter SC Ket­tig nur wenig Zeit zur vor­be­rei­ten­den Orga­ni­sa­tion. Gleich­wohl waren Besu­cher und Offi­zi­elle des Lobes voll. Mit der Stadt­halle stand ein guter Spiel­saal zur Ver­fü­gung. Das Foyer bot mit einem Bücher­stand sowie Biert­re­sen und Würst­chen­ver­kauf den Gäs­ten aus dem In– und Aus­land Lab­sal für Geist und Kör­per; die Jour­na­lis­ten hat­ten einen Arbeits­raum für sich.

Par­tie
Exwelt­meis­ter Spass­kij — Weidemann

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Par­tie
Jörg Wei­de­mann — Dr. Robert Hübner

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Erst mit einem Jahr Ver­spä­tung konnte sich die erste Mann­schaft 1981 für die seit 1980 beste­hende ein­tei­lige Bun­des­liga qua­li­fi­zie­ren; das Spiel­jahr 1981/82 brachte den größ­ten Erfolg: in der Bun­des­liga wurde hin­ter Porz, Frank­furt und Solin­gen der 4. Platz erreicht und man ließ so renom­mierte Ver­eine wie Bay­ern Mün­chen, Ham­bur­ger SK und Bam­berg hin­ter sich.

Der bekannte Groß­meis­ter Hans-Joachim Hecht sprach in sei­nem Bun­des­li­ga­re­sü­mee für die „Rochade” von Ket­tig als ein­zig bele­ben­dem Ele­ment in einer Bun­des­liga ohne große Über­ra­schun­gen.… Immer­hin war da ja noch Ket­tig, das sich erst unbe­merkt, spä­ter unauf­halt­sam, mit gera­dezu phä­no­me­na­ler Leis­tung bis zum 4. Platz hocharbeitete.

Ralf Laven erreichte 11 Punkte aus 14 Par­tien und erzielte das dritt­beste Ergeb­nis; wei­tere Stüt­zen der Mann­schaft waren Klaus Gawehns mit 9,5 aus 15, Hans-Hubert Sonn­tag mit 9 aus 14, Dr. Ralf Marian 7,5(11) und Rai­mund Busch 7,5 (12).

In der glei­chen Sai­son wurde die 2. Mann­schaft Meis­ter der Ober­liga Süd­west und stieg nach Stich­kämp­fen in die 2. Bun­des­liga Süd­west auf.


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